Ich bin auf dem Weg. Hier könnt Ihr ein Stück mit mir gehen.
Falls sich jemand Unbekanntes hierher verirren sollte und Kontakt aufnehmen möchte,
bitte über meine Mainpage www.roomrecords.de gehen:

Musik für unterwegs
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Schlusswort
Du weisst immer erst wie steil und hoch ein Berg ist, wenn Du in besteigst.
Ich moechte hier noch ein paar abschliessende Worte finden ueber dass, was mir diese Reise gebracht hat. Natuerlich kann ich hier nur ein paar wenige Punkte nennen, moechte aber dennoch versuchen, in ein paar Worten darzulegen, was mir besonders wichtig ist.
Ich habe doch eine Menge gelernt:
Ueber meinen Koerper. Was geht, was doch noch geht und auch was nicht geht. Ich habe mit meinen Fuessen einiges ausdiskutiert und Vertraege geschlossen und danke ihnen, dass sie mich so weit getragen haben.
An anderen orientieren bringt nichts. Man muss seinen eigenen Weg gehen. Dabei kann man ruhig auch ein Stueck gemeinsam gehen, aber dabei sollte man das eigene Ziel nicht aus den Augen verlieren.
Man kann laengere Strecken oder Zeiten nur mit Menschen gehen, die das selbe Tempo haben oder langsamer sind. Mit schnelleren kann man nur gehen, wenn die fuer einen abbremsen. Es gibt in jeder Kategorie tolle Mensche, wenn man nicht blind ist.
Ganz zu beginn habe ich etwas vom Zauber geschrieben, den der Weg entfaltet. Das sehe ich nun etwas anders, da ich doch von vielen Menschen ganz andere Wege beschrieben bekommen habe. Es war und ist mein Weg! Es ist nicht der Weg, der den Zauber entfaltet, sondern ich entfalte den Zauber auf dem Weg.
Ich moecht auch allen Danken, die mir diese Reise ermoeglicht haben und in Gedanken bei mir waren. Vor allem Steff, die ich sehr liebe und die mir den Ruecken freigehalten hat. Praktisch wie auch menthal.
Zum Schluss noch etwas, dass mir sehr am Herzen liegt. Es ist kein richtig neuer Gedanke fuer mich, aber dennoch moechte ich ihn hier teilen. Ich habe doch stark gemerkt, was mir wichtig und unwichtig ist. Ich werde hier jetzt keine Liste anfertigen. Eins nur. Wichtig sind Freunde! und damit meine ich nicht unbedingt die Wegbegleiter, sondern Euch, die ihr zu mir steht und bei mir seid. Und wenn ihr es nicht sowieso schon tut, moechte ich euch animieren. Nehmt Eure Freunde hin und wieder in den Arm und sagt ihnen, dass ihr Euch freut, dass sie da sind.
Ich freue mich nun auf meine zwei Wochen Urlaub in Portugal und hoffe, wir sehen uns bald!
18. 09. 2010
Heute ist der letzte Tag meiner Reise. Es sind nur noch 5 km und die werden ja wohl schnell geschafft sein trotz aller Gemuetlichkeit. Lange habe ich ueberlegt, ob und welche Musik angemessen waere. Ich habe mich fuer Archive entschieden und das Album mit dem bezeichnenden Namen You all look the same to me, inlusive der Absurd - E.P. Und so komme ich dem endenden Moment immer naeher und stehe dann auf dem Praza do Obradoiro vor der Kathedrale.
Santiago de Compostela
Ich bin den Traenen nahe und werde von einem gewaltigen Gefuehlsmischmasch erfasst, der mich den Rest des Tages begleiten wird. Ich bin einfach unglaublich gluecklich. Zunaechst geht es fuer mich nun durch die heilge Pforte, welche ja nur im heiligen Jahr geoeffnet ist. Ich umarme den Apostel und spreche meinen Wunsch. Man hat zwei Wuensche frei beim Apostel, wenn man nach Santiago gepilgert ist. Ich habe aber nur einen, na ja. Danach besuche ich die Pilgermesse in der Kathdrale. Sie ist tatsaechlich sehr schoen und beruehrend. Auch das Botafumeiro wird geschwungen. Ein grosses Weihrauchfass, dass in grossem Bogen durch das ganze Kirchenschiff schwingt, soll mal gegen den Geruch der Pilger eingesetzt worden sein. Es ist schon beeindruckend. Schliesslich holle ich mir nach doch laengerer Wartezeit meine Compostela und beschliesse damit meinen Weg nach Santiago de Compostela.
17. 09. 2010
Jetzt wirds doch echt gemuetlich. Da die Strecke kurz ist, kann ich in aller Ruhe laufen. Endlich gehts auch mal durch die schon lange angekuendigten Eukalyptuswaelder.
Und dann, nach Wochen ist es endlich so weit. Endlich ist Santiago de Compostela zu sehen.
Monte do Gozo
Heisst so viel, wie Berg der Freude und ist nach dem Gefuehl der Pilger benannt, wenn sie Santiago zu Gesicht bekommen. Dies wird meine letzte Herberge werden. Auch hier mache ich eine interessante Erfahrung. Ich treffe zwei Deutsche. Moechte dazu sagen, dass es sich eher um junge Deutsche handelt und zum ersten Mal auf dem Weg hoere ich richtiges Geschimpfe. Uber alles moegliche. Die verschiedenen Arten von Pilgern, die Herbergensituation, die katholische Kirche in Spanien und vieles mehr. Es hoert garnicht mehr auf. Ich bin sehr fasziniert, kann diese Ablehnung der Dinge aber garnicht teilen. Merke, dass ich doch deutlich entspannter bin. Puh, na was fuer ein Glueck!
Insgesammt 17 km.
16. 09. 2010
Weil es die Nacht ein bisschen geregnet hat, ist das Zelt nun nass. Nicht so schlimm, aber dann ist es ja auch schwerer, keuch. Nun ja, es hat nun auf dem Weg tatsaechlich schon etwas von einem Pilgerstrom. Es sind einfach unglaublich viele Menschen unterwegs.
Man kann meisst deutlich die neuen Hasen von den alten Hasen unterscheiden und es finden auch kaum Mixprozesse statt. Auch hier hat sich Reif geirrt, denn die neuen Pilger haben oft nur sehr kleine Rucksaecke, wenn ueberhaupt einen.
Pedrouzo
Juhe, mal wieder in einer Riesenherberge gelandet, aber Schwein gehabt. Die letzten Plaetze erwischt und es sind immer noch jede Menge Pilger unterwegs. Ich habe ein sehr nettes Gespraech mit Lorna, die mir haarstraeubende Geschichten vom Gruppenpilgern erzaehlt. Sogar Gezanke und sowas war dabei. Stelle fest, dass mein Plan, lieber meinen Weg zu laufen und unabhaengig von anderen zu sein doch die richtige Idee war. Nicht das ich mich nicht ueber Begleitung und Wiedersehen gefreut habe, aber eben nur, wenn es auch gepasst hat.
Insgesammt 23 km.
15. 09. 2010
Auch heute wird wieder ein heisser Tag werden und auch das schnellere Laufen geht super. Es wird nun immer waldiger. Der Weg ist echt schoen.
In einem Kaffee werde ich vom Fernseher mit deutscher Sprache erschreckt. Es scheint irgendwie alles immer merkwuerdiger zu werden. Es gibt jetzt sogar Autopilger. Nicht zu fassen!
Ribadiso
Endlich gibt es mal wieder eine richtig schicke staatliche Herberge. Mehrere kleine Steinhaeuschen bilden einen gemuetlichen Komplex an einem Fluss. Um mal eine schnarchfreie Nacht zu haben, beschliesse ich zu zelten. Es ist einfach malerisch.
Schoen ist auch, dass sich hier einige Leute wieder sammeln. Ich treffe Irmi, Marcus, Miy, Manuel, Peter, Lorna, Florian, Alexandra und, was mich besonders freut, auch Silvya wieder, obwohl die Umstaende, die dazu gefuehrt haben eher nicht so toll sind, weil sie krank war. Ich glaube, ich habe doch insgesammt sehr viel Schwein gehabt, dass mich nichts richtig ernstes auf dem Weg erwischt hat.
Insgesammt 20 km.
14. 09. 2010
Die Hitze kehrt zurueck. Mit Progressive Trance bin ich Speedy und es macht mir enorm viel Spass etwas schneller zu gehen. Auch heute begleitet mich die kleine Gemeinschaft.
Das Ende des Weges rueckt nun langsam immer naeher und ich muss zugeben, dass ich das nun auch langsam merke. Die Kraefte sind einfach nicht mehr frisch, aber ich bin es so gewohnt zu laufen, dass es trotzdem einfach immer weiter geht.
Casanova
Ich erreiche sehr frueh einen sehr kleinen Ort, wo es einen sehr idyllischen Nachmittag gibt.
Insgesammt 24 km.
13. 09. 2010
Der naechste Morgen ist etwas mystisch. Passend hoere ich Visebility von Invisible Reality und spaeter Time Shift von Sulima. Es macht Spass durch diese vertraeumte Landschaft zu laufen.
Dem nun entstandenem Bettenproblem begegne ich mit erhoehter Geschwindigkeit. Das geht auch erstaunlich gut. Na ja, als alter Weghase auch kein Wunder. Nun komme ich auch endlich an der 100 km Marke vorbei.
Wer hat denn die Watte dahingepackt?
Auf dem Weg treffe ich immer wieder Anni und Marcus und noch einige andere. Es ist nun doch wieder eine kleine Laufgemeinschafft. Die Gegend ist toll und es gibt auch immer mehr waldige Stuecke.
Das letzte Stueck hat mich Gerhardt Schoene mit seinem Kinderland begleitet und ich erreiche eine Zweckherberge wo die Pilger gelagert werden.
Insgesammt 27 km.
12. 09. 2010
Ich muss zunaechst zum gestrigen Tag noch einen Nachtrag machen, denn ich habe die Herberge erst nach meiner Internetnutzung verlassen und war etwas schockiert. Es hatte ein sehr touristisches Flair. Bisher habe ich immer Bekannte oder wenigstens bekannte Gesichter gesehen. Diesmal nicht. Wer sind die denn alle? So viele Menschen. Sie werden in Bussen angekarrt und Pilgerstaebe werden verteilt. Das ist alles etwas befremdlich.
Nun zum heutigen Tag. Es ist merkwuerdig warm am Morgen und spaeter wieder kalt, aber die Waerme kommt zurueck. Es wirkt etwas bedruecklich, ist aber trotzdem wunderschoen.
Es geht nun immer rauf und runter. Ich hoere Space Designer von Fatali am Morgen und spaeter das immer noch grandiose Ablbum Day & Age von den Killers. Jetzt geht es los. Bettenkampf! Es sind nun spuerbar mehr Pilger unterwegs und es werden in den naechsten Tagen immer mehr werden. Das bedeutet, dass die Herbergen recht schnell gefuellt sind und man nicht zu spaet ankommen sollte. Ausserdem sorgt mich ein bisschen die mit den vielen Pilgern verbundene Unpersoenlichkeit. Eine Sorge zu unrecht wie sich rausstellen wird.
Barbadelos
Ich bin extra nicht in Sarria geblieben, dem offizielen Startpunkt fuer die letzten 100 km, obwohl diese erst etwas spaeter erreicht sind. Ein gute Idee. Bin in einer kleinen Herberge und lerne hier ein paar Deutsche kennen und treffe auch ein paar bekannte Gesichter wieder. Mir wird gesagt, dass ich viel zu normal und froehlich fuer einen Psychologen bin. Normal hat sie bestimmt blos gesagt, weil sie mich nicht besser kennt. Ausserdem habe ich ein sehr ruehrendes Gespraech mit einem katholischen Priester aus Suedafrika. Wir reden ueber Gott. In englisch ist das nicht so leicht, aber es zwingt einen auch zur Einfachheit. So wird eben nicht lamentiert, sondern ueber Gott gesprochen. Er ist von meinem Weg dahingehend sogar sichtlich beruehrt. Er meint, es spielt auch keine Rolle, worum es genau geht, nur dass wir nie aufhoeren sollen zu sehen und zu hoeren. Ich bin auch ziemlich geruehrt.
Insgesammt 23 km.
11. 09. 2010
Morgens hoere ich immer noch am liebsten Trance. Der heutige Tag beginnt mit Suntree - Inside.
Obwohl viel mehr Pilger unterewegs sind, bin ich nun mehr mit mir. Es scheint auch alles etwas unpersoenlicher geworden zu sein. Dafuer gibt nun die Landschaft alles und zu Musik von Nylon bin ich froehlich unterwegs.
Triacastela
Der Abstieg ging heute erstaunlich gut. Scheine wohl langsam alles hinzukriegen. Jetzt mal nicht uebermuetig werden. Ich erreiche die Herberge frueh und hab so mal genug Zeit fuer ein Mittagsschlaefchen und danach fuers Netz.
Erst 100 m hoch und dann 700 runter.
Insgesammt 16 km.
10. 09. 2010
Meine fuenfte Woche beginnt heut und ich bin guter Dinge. Das Gelaende wird immer schoener und auch immer waldiger.
Es gibt einen steilen Aufstieg, welcher natuerlich zu grandiosen Sichten fuehrt.
Hospital da Condesa
Als ich die Herberge erreiche, welche sehr modern und sauber ist, habe ich tierischen Hunger. Zum Glueck gibt es, wenn es schon keinen Laden gibt, wenigsten eine Bar im Oertchen, wo Speisen angeboten werden.
Es geht 700 m hoch.
Insgesammt 20 km.
09. 09. 2010
Schon in den letzten Tagen habe ich immer wieder festgestellt, dass es schwer ist, einen laengeren zusammenhaengenden Gedanken zu halten. Es geht munter drunter und drueber. Dazu mischen sich immer wieder die Eindruecke der letzten Wochen. Sie verschwimmen und tanzen miteinander bis sie sich wie Balsam um mein Herz legen und es lacht.
Villafranca del Bierzo
Hier bekomme ich ein sehr ueppiges und preiswertes Fruehstueck und siehe da. Da sind die Italienerinnen ja schon wieder. Na die kommen ja nicht so richtig vorran. Das Vergnuegen waehrt nur kurz, da ich mich feur den laengeren Weg ueber die Berge entscheide. Habe ich schon erwaehnt, dass ich jetzt viel Zeit habe. Von oben ist die Strasse, an der der kuerzere Weg langfuehrt immer wieder zu sehen. Nach einem steilen Aufstieg werde ich natuerlich belohnt fuer meine Muehen. Oben hoere ich A funk Odyssey von Jamiroquai. Da die meisten Pilger den anderen Weg gehen, ist es auch sehr schoen einsam.
Vega de Valcare
In einer nicht ganz billigen brasilianischen Herberge finde ich endlich Internet mit Skype. Ach ist das schoen. Da ich verdaechtige Bissstellen besitze und nun auch ein bisschen vorsichtig wegen der Wanzen bin, breite ich alle meine Sachen in der Sonne aus. Wanzen sterben bei Temperaturen ueber 30 Grad. Ich hab auch alles durchgeschaut und keine gefunden. Hoffentlich geht das gut.
Sehr steile 200 m rauf und auch wieder runter.
Insgesammt 27 km.
08. 09. 2010
Am Morgen kommen wir noch an der alten Templerburg vorbei.
Es sieht etwas duester aus, bleibt aber die meiste Zeit trocken.
Und bevor sich unsere Wege nun bald wieder trennen, hier auch noch mal ein Foto von den Italienerinnen.
Cacabelos
Eine letzte gemeinsame Rast. Lori und Sylvia wollen die letzten 200 km in sechs Tagen schaffen. Es sind nun naemlich nur noch so viele. Es scheint nun auch mehr Pilger zu geben. Viele haben, so wie Lori, erst vor kurzem angefangen. Sie sieht sehr muede aus und macht nicht den Eindruck, dass sie dieses doch sehr ehrgeizige Vorhaben umsetzen kann. Im Kontrast dazu sitzt Sylvia quitschvergnuegt da. Ihr geht es offensichtlich ein bisschen wie mir. Lange unterwegs. Immer wieder eine Melodie auf den Lippen. Wenn mal Musik ist, wird ein bisschen getanzt. Lori wirkt auch noch sehr sortiert, was man von den anderen beiden Anwesenden nicht unbedingt behaupten kann. Nun ja, sollen sie mal machen. Ich habe beschlossen, dass ich Zeit habe und bleibe hier. Es gibt eine sehr originelle Herberge. Um eine Kirche sind Kammern im Kreis gebaut. Leider ist der Computer nicht funktionstuechtig und auch im Ort laesst sich kein Internet mit Skype auftreiben. Damit nimmt der Tag ein nicht ganz so schoenes Ende, da ich nicht, wie geplannt, mit meinem Steff telefonieren kann. So vermisse ich sie noch mehr. Morgen wird mir der Weg helfen. Ich weiss es, denn das hat er schon oft getan.
Insgesammt 17 km.
07. 09. 2010
In der ganzen Aufregung hab ich gar keine Fotos von dem Ort gemacht, nur die etwas gruselige Stimmung am Morgen hab ich eingefangen.
Da wir nun so viel gemeinsame Energie getankt haben, gehen Lori, Sylvia und ich gemeinsam weiter. Da Lori kaum englisch spricht, wird viel italienisch gesprochen, was mich erstaunlicher Weise nicht stoert. Zunaechst ist die Gegend wieder wahnsinnig.
Dann kommt der Regen und es geht ueber Stock und Stein abwaerts. Immer in Richtung des Wasserflusses. Pilger sehen im Regen etwas albern aus.
Ponferrada
Wahrscheinlich die fuer Spanien untypischste Stadt des Weges. Sie wirkt sehr modern. Wir sind etwas spaet und es wird noch gekocht und dann ab ins Bett. Es wird italienisch gekocht, was allerdings genauso ist, wie ich auch zu Hause koche. Ich habs doch gewusst. Hier sieht man viele neue Pilger, die noch nicht so lange laufen. Man erkennt diese nicht, wie Reif behauptet, am schweren Rucksack, sondern am Humpeln in der Herberge.
Und heute stolze 800 m runter.
Insgesammt 22 km.
06. 09. 2010
Auch heute zeigt sich der Weg wieder von seinen schoeneren Seiten, was an der Maragateria liegt, welche ich nun betreten habe.
Auf dem zweiten Bild sind uebrigens Kreuze in den Zaun geflochten. Wieder ein typisches Pilgerkleinod. Mein kleiner Zeh nervt heut ein bisschen, was wahrscheinlich am Aufstieg liegt, aber dafuer werde ich mit einem grandiosem Blick zurueck belohnt. Man kann meinen Startpunkt garnicht mehr sehen, aber da hinten komme ich her.
Cruz de Ferro
Hier ist einer der bekanntesten Punkte des Weges. Schon seit hunderten von Jahren legen die Pilger symbolisch einen Stein als Zeichen, dass sie ihre inneren Lasten loswerden ab. Das mache ich natuerlich auch.
Manjarin
Nun bin ich an einer sehr speziellen Herberge angekommen. Hier hat sich ein kleiner Templerkreis gebildet. Die Templer haben im 11. Jahrhundert die Pilger beschuetzt und diese Tradition ist hier wiederbelebt worden. Die Herberge selber ist dann noch ueberraschender, weil indisch angehaucht und mit einer sehr sympatischen Hostelera. Es wird endlich auch mal etwas spiritueller auf dem Weg. Von den weiteren Pilgern sind nicht alle esoterisch angehaucht, aber zwei Italienerinnen, Sylvia und Lori, sind aehnlich begeistert wie ich. Die Gespraeche ranken sich um die Stufen des Bewusstseins und um Chakren. Da daheim immer wieder Leute bloed gucken, wenn von einem 8. Chakra die Rede ist, freue ich mich hier Leute zu treffen, fuer die dieses selbstverstaendlich ist. Navi, die Hostelera, kennt sich auch mit den Mayas aus und berichtet ueber das Jahr 2012. Nun weiss ich endlich, was da eigentlich los ist. Abends gibt es eine Templerzerominie und diese bereiten auch ein Mahl zu. Danach erhalten wir von Navi noch unser persoenliches Maya-Horoskop. Es hat alles einen sehr mystischen Tatsch und gefaellt mir doch sehr.
Es ging mal wieder 400 m nach oben.
Insgesammt 22 km.
05. 09. 2010
Nach dem Stress gestern gibt es heut natuerlich einen Faultag. Jedes Kaffee auf dem Weg ist meins. Komme noch an der Kathedrale von Astorga vorbei.
Nicht das ich reingegangen waer. Ich war den ganzen Weg ueber sehr kulturbanausig und sehe keinen Grund, das jetzt noch zu aendern. Der Weg und auch der Blick werden langsam wieder schoener.
Santa Catalina de Somoza
Bin sehr frueh in der Herberge und wasche mal alle meine Klamotten, was leider ein bisschen umsonst ist, da es in den naechsten Tagen vermehrt regnen wird und der gute Duft so schnell wieder dahin sein wird.
Insgesammt 11 km.
04. 09. 2010
Heute treffe ich SoHee auf dem Weg. Sie ist eine der beiden Koreanerinnen, die unter dem Baum gesessen haben. Lange her und sehr erstaunlich, wen man so wieder trifft. Sie will heute 13 km weiter laufen als ich, denn ich hab ja Zeit und freue mich auch, als mein Zielort in Sichtweite kommt.
Santibanez de Valdeiglesias
Eigentlich soll hier eine frisch renovierte Herberge sein, aber sie ist doch ein bisschen muffig. Dafuer sehr gemuetlich, also bleibe ich. Die Beiden treffen kurz nach mir ein. Ich bin frisch geduscht und freue mich auf Entspannung. Was nun kommt bedarf einiger erklaerender Worte im Voraus. Es geht um Wanzen, Pilger und Touristen. Wanzen sind wohl ein ziemlich ernstes Problem. Die rede ist hier von Bettwanzen. Diese Biester krabbeln nachts auf einem rumm und saugen Blut. Man kann ihren Weg am naechsten Morgen anhand der Bissstellen sehr gut nachvollziehen. Diese jucken und brennen bis zu fuenf Tagen aeusserst unangenehm. Doch damit nicht genug. Diese fiesen Fiecher setzen sich auch gern in Klamotten und Schlafsaecken fest, wodurch man sie mitnimmt und weiter verbreitet. Wanzen sollen schon immer eine Plage auf dem Camino gewesen sein und die spanischen Behoerden verstehen da keinen Spass. Es sollen schon ganze Herbergen evakuiert worden sein. Die Insassen wurden ins Krankenhaus gebracht und sammt ihrer Habe desinfiziert. Fuer die Herberge gibts dann eine chemische Bombe. Ich hoffe, jetzt krabbelts niemandem. So, nun zu Touristen und Pilgern. Gern prangt auf dem Weg ein Zettel: Der Tourist erwartet und der Pilger dankt. Diesem Sinn kann ich gut folgen, bis Geld ins Spiel kommt. Der Zettel ist besonders gern an Orten, die fuer meine Begriffe ueberteuerte Abzocken sind. Dabei wird oft vergessen, dass die Pilger frueher auch nicht fuer ihre Unterkuenfte zahlen mussten. Es gibt immer wieder solche Herbergen, die nichts kosten, wo man halt spenden kann, wenn man moechte. Dann bin ich auch dankbar wie Sau fuer alles was da ist, aber sobald ich bezahlen soll, kommt es schon sehr auf das Verhaeltnis an. Nun zurueck zu den Geschehnissen. Die Beiden haben sich schon einmal Bettwanzen eingefangen und erfolgreich wieder wegbekommen. Nun findet Linda eine, wenn auch schon tote, Bettwanze in ihrem Bett. Sie ist nicht sehr begeistert und wir durchschauen auch die anderen Betten. Es gibt Anzeichen fuer einen Wanzenbefall, der aber auch schon etwas her sein kann. Ein anderes Maedchen spricht den Hostelero darauf an und wird lautstark rausgeworfen. Leicht Versuche der Schlichtung schlagen fehl. Der Hostelero ist richtig erzuernt und faselt etwas von Pilgern und Touristen und dass er keine Touristen in seinem Haus will. Aha, jetzt soll der Pilger auch noch dankbar fuer die Bettwanzen sein. Da er sich nicht beruhigt und mit dem Geld in der Hand weiter auf Abreise besteht, beschliessen wir alle gemeinsam zu gehen. Ich finde, man kann es auch uebertreiben. Leider bedeutet das, dass es nun doch noch ein ganzes Stueck weiter geht. In dem uebereiltem Aufbruch vergessen wir auch Wasser, was nicht so toll ist. Nach der Haelfte des Weges sehen wir einen kleinen Rollwagen mit Getraenken. Fata Morgana? Der Besitzer scheint Gedanken lesen zu koennen und versichert, es waere keine Fata Morgana. Zu dem ist alles kostenfrei. Er unterstuetzt die Pilger von sich heraus aus Ueberzeugung. So schnell bin ich wieder sehr dankbar. Bald ist auch endlich Astorga zu sehen.
Astorga
Es ist nun fast 20:00 Uhr, aber dafuer ist die Herberge sehr sauber. Es gibt nur noch ein einfaches Abendbrot und dann ab in die Falle. Es soll mal wieder sehr laut draussen gewesen sein in der Nacht. Davon hab ich nichts gemerkt.
Insgesammt 33 km.
03. 09. 2010
Der Weg raus aus der Stadt soll furchtbar sein, weshalb viele Pilger den Bus nehmen. Ich versuche mein Glueck trotzdem zu Fuss und finde es nicht schlimm. Es hat fast einen Tatsch von Heimat. Leon ist morgens auch deutlich belebter als die anderen Staedte. Heute wird wieder relaxt und es gibt zwei Wegalternativen. Eine ist 3 km laenger als die andere. Da ich offensichtlich nun Zeit habe, entscheide ich mich fuer die Laengere, welche schoener sein soll. Gute Wahl! Schlagartig ist der Weg und der Blick wieder sehr angenehm.
So macht das Laufen auch wieder mehr Spass. Es geht mir immer besser. Langsam scheint der Koerper nun doch noch voll und ganz mitzumachen. Na warten wirs ab! Mal lieber nicht zu freuen. Die Beiden und auch die Schweden laufen mir heute wieder dauernd ueber den Weg. Es gibt auch einen gemeinsamen Kaffee.
Villar de Mazarife
Wie mir Reif angekuendigt hat, und ich benutze einfach sein Wort, ist die Herberge einfach nur kultig.
Den Umweg schon mit eingerechnet sind es jetzt nur noch 290 km bis nach Santiago. Das sieht doch sehr entspannt aus.
Insgesammt 22 km.
02. 09. 2010
Da wir uns eh dauernd treffen, beschliessen die Beiden und ich heut gemeinsam zu laufen. Es ist wieder keine nette Strecke. Heut geht es nicht nur neben der Strasse, sondern auch auf ihr entlang, neben Autos und Lastwagen. Da ich bei den Beiden quasi eingehaengt bin, gehe ich ein bisschen weiter, als nun eigentlich notwendig und erreiche so Leon.
Leon
So sehr ich am Beginn den groesseren Staedten abgeneigt war, so sehr komme ich nun gut in ihnen zu recht. Es ist auch hier wieder so, dass ich ein paar Leute wieder treffe von denen ich dachte, ich sehe sie nie wieder. Ausserdem ist das Angebot in einer Stadt deutlich vielfaelltiger und es gibt heute mal was ganz Ekelhaftes zum Essen, Doener. Auf dem Teller mit richtig viel Pommes und frisch getostetes Doenerbrot wird er mir serviert. Ich bin in diesem Moment aeusserst gluecklich und fuehle mich wie ein Koenig. Geschlafen wird heut in einem Nonnenkloster, wo leider am Nachmittag noch das Wasser abgestellt ist. Am Abend ist dann aber doch noch eine Dusche drinn. Eine Besonderheit dieser Schlafgelegenheit ist, dass es Geschlechtertrennung gibt. Wer nicht verheiratet ist, schlaeft getrennt, sofern es sich um Paare handelt, die aus Maennlein und Weiblein bestehen. Ist ja schliesslich ein Kloster. Es ist fuer mich auch kein Problem mehr, in der Stadt rumzulaufen. Meine Beine scheinen sich sogar ueber das vom Wandern verschiedene rumschlurzen zu freuen.
Insgesammt 26 km.
01. 09. 2010
Blos gut, dass ich nun nicht mehr so weit laufen muss, denn der heutige Weg hat es erstaunlicher Weise in sich. Er ist vergleichsweise kurz, aber er zieht sich an der Strasse unter einer kuenstlich angelegten und nicht enden wollenden Allee entlang.
Das einzig Gute ist, dass es endlich mal wieder ein paar Regentropfen gibt. Ich nach dieser kurzen Strecke heut dennoch richtig erledigt und die Beine und Fuesse schmerzen, Es scheint doch eine Menge Kopf bei der Geschichte bei zu sein.
Reliegos
Waerend ich am Computer sitze, um diese Seite zu bearbeiten, hoere ich die Beiden draussen. Scheint, als wuerde ich sie oder sie mich auch nicht mehr so richtig los. Seit einigen Tagen bin ich auch immer wieder auf ein paar Schweden getroffen, die ungefaehr mein momentanes Tempo zu haben scheinen. Abends hoere ich meist Hoerbuecher und da ich bei diesem herzlicht gelacht habe, gebe ich eine Empfehlung weiter. Fremd kuessen von Steffi von Wolff. Ich finds extrem lustig.
Insgesammt 21 km.
31. 08. 2010
Ein aelteres Ehepaar aus Deutschland hat noch einen Kaffee am Morgen fuer mich uebrig, scheint ein Glueckstag zu werden. Unterwegs treffe ich einen ebenfalls aus Deutschland stammenden Elektro-Freggle. Der ist eigentlich deutlich schneller unterwegs als ich, aber er will ein Stueck mit mir gehen und das fuehrt zu einem netten Gespraech. Er hat eine aehnliche Vergangenheit, wie die meine, was die Musik angeht. Es ist toll, auch mal wieder ueber solche Sachen zu reden. Die Gegend und so sind heute nicht so berauschend, gut, dann gibt es mal ein Bild von mir.
Habe heut die Wahl zwischen 17 oder 28 km. Reif sagt, nach 28 gebe es eine nette Herberge, also gibt es den laengeren Weg.
San Niclas
Der Weg hat sich gelohnt, denn die Herberge ist super und, weil auf Spendenbasis, auch noch guenstig. Hier treffe ich einen Ex-Punker, der nun durch die Weltgeschichte tingelt. Ansonsten ist diese Herberge heut fast nur von Franzosen belegt, was etwas befremdlich ist durch das viele Franzoesisch. Ansonsten stelle ich fest, dass ich unglaublich gut in der Zeit liege und des bedeutet, dass ich nun ein wenig relaxter an die ganze Sache rangehen kann. Ab morgen sind 20 bis 25 km am Tg genug.
Insgesammt 28 km.
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