Weg

Ich bin auf dem Weg. Hier könnt Ihr ein Stück mit mir gehen.
Falls sich jemand Unbekanntes hierher verirren sollte und Kontakt aufnehmen möchte,
bitte über meine Mainpage www.roomrecords.de gehen:
Roomrecords

Musik für unterwegs

Hier findet Ihr die erste Halbzeit des Weges.

Halbzeit

Ueber die Haelfte der Strecke ist geschafft. Es liegen nur noch weitere 384 km vor mir. Zeit mal kurz inne zu halten. Es liegen nun schon zwei unglaubliche Wochen hinter mir. Ich bin durch den Regen, ueber die Berge, in der Hitze, in der Kaelte, allein und mit anderen gegangen. Ich habe mich bestimmt in meinem Leben noch nie so viel mit meinen Fuessen beschaefftigt. Das meine ich einmal gedanklich, aber letzten Endes auch im ganz praktischen Sinne. Damit bin ich auf diesem Weg nicht allein. Hast Du ne Blase gibt es tausende ungefragte Tipps. Ich kann nur einen 100%tig bestaetigen. Aufmachen! was man danach macht, muss jeder selbst rausfinden. Ausquetschen, Salzbad, Compeed oder Faden und was weiss ich alles. Mit Blasen ist man noch gut dran. Viele Leute haben auch Probleme mit dem Knie oder Fuss verstaucht und auch sonst alles Moegliche. Jeder Tag ist ein bisschen gleich und ein bisschen anders. Ich hatte viel Freude und war auch bedrueckt. Quasi: Gute Tage, schlechte Tage. Ich habe eine vielzahl interessanter Menschen unterschiedlichster Herkunft und Beweggruendigkeit getroffen. Ich liebe es, Musik auf dem Weg zu hoeren und singe auch viel. Zu meinem Rucksack hat sich sowas wie eine Hass-Liebe entwickelt. So oft er mich unterwegs auch mal stoert, so gluecklich bin ich am Abend, dass er da ist und wenn auch nicht viele, aber meine Dinge fuer mich bereit haelt. Alles in Allem muss ich sagen, dass ich nun selbst fast erstaunt bin, dass man so weit aus eigener Kraft kommen kann. Schon das allein beeindruckt mich sehr. Der Weg entfacht einen Zauber, dem man sich nicht entziehen kann. Ich bin zu tiefst beruehrt und hingerissen und hoffe, dass die kommenden 400 km mich weiterhin so in ihren Bann ziehen werden.

30. 08. 2010

Es ist wahrscheinlich ein bisschen langweilig, aber ich muss es nochmal sagen. Der Morgen ist wieder fantastisch.

Carrion de los Condes
Auch die Staedte sind morgens super.

Hier erstehe ich richtig geilen Suesskram. Schokoschnecken, welche einfach hammer sind. Jetzt kommt das laengste Stueck ohne Dorf zwischendurch. 18 km. Schon gestern waren viele Pilger deswegen sehr aufgeregt, zumal dieses Stueck auch durch Kargnis glaenzen soll. Ganz so karg ist es aber dann doch wieder nicht,

Mir gefaellt es sogar, weil ich ja zu Hause von genug Reizen umgeben bin und dies ein Zweck der Reise ist, davon mal ein bisschen wegzukommen. Wobei das letzte Stueck von 3 km ist schon gemein, weil man den Kirchturm des naechsten Dorfes die ganze Zeit sieht, wodurch sich der Weg ganz schoen zieht.

Calzadilla de la Cueza
Hier wird grad der Zenit ueberschritten, doch dazu mehr in der Halbzeit. Da sitzen die Beiden ja. Das ist super! So muss ich die naechsten 7 km nicht allein laufen.

Ledigos
Endlich mal wieder eine richtige Kueche in der Herberge, also gibt es einen riesen Napf Spagetti, das passt.

Insgesammt 30 km.

29. 08. 2010

Alles ist wieder gut und der Morgen ist es auch. Die Sterne sind zu sehen und es ist fast ein bisschen zu kalt. Zu der Scheibe Deeper into Man von U-Recken laufe ich in die Nacht bis die Sonne aufgeht.

Die Gegend ist auch heute bei weitem nicht so karg wie angekuendigt.

Die Beiden haben gesten wohl nicht viel geschafft und so gibt es auch mal ein gemeinsames Foto.

Villacazar de Sirga
Ich komme erstsaunlich frueh an und die Herberge hat noch zu, aber ich warte, da ich meine selbst gesetzte Marke von 33 nicht ueberschreiten moechte.

Insgesammt 30 km.

28. 08. 2010

Oh wie schoen! Mal ein neues Problem. Mir ist schlecht und mein Kopf brummt. Dazu kommt, dass ich die ganze Nacht kein Auge zu gemacht habe. Gestern war nur noch ein Oberbett im Doppelstockbett frei und unter mir liegt ein ekliger fetter Mensch. Dieser schnarrcht so laut, dass das ganze Bett vibriert. Unglaublich! Kurzer schneller Mord ist da nur noch einer der netten Gedanken. Aber egal, mir ist schlecht. Auf dem Weg ins naechste Dorf treffe ich Christian und Linda, welche ich ab jetzt nur noch die Beiden nennen werde. Linda gings letzte Nacht auch nicht so toll. War die Quelle in San Bol vielleicht doch nicht so gut? Also auf ins naechste Dorf. Weinigstens die Aussicht ist toll.

Itero de la Vega
Es ist 10:30 Uhr und ich freue mich sehr, weil ich der Hostelera in der Herberge auf Spanisch sagen kann, dass es mir nicht gut geht und schon so frueh ins Bett will. Sie verfrachtet mich in ein kleines Zimmer und ich kann schlafen. Spaeter darf ich sogar die hauseigene Kueche benutzen. Es gibt Zwiebeln mit Tunfisch und Bagette. Das hilft und ich leg mich wieder hin.

Insgesammt 11 km.

27. 08. 2010

Da ich meinen Fuessen, die im uebrigen wieder ganz gut sind, versprochen habe mal eine bisschen kuerzer zu treten, wenn sie mich nach San Bol bringen, gibt es heute einen Faultag. Ich moechte hier kurz noch einen Gedanken beschreiben. Das Treffen der Leute ist ein bisschen wie Leben im Zeitraffer. Im normalen Leben lernt man auch neue Menschen kennen und andere gehen wieder. Nur dauern diese Prozesse eher Monate, wenn nicht Jahre. Hier spielt sich das alles in Tagen ab. Das Gelaende wird zunehmend flacher und ich habe nun auch das Gefuehl, dass meine Gedanken auch flacher werden. Der naechste Ort soll nur noch 500m entfernt sein. Wo es doch so flach ist, muesste man den eigentlich schon seit langem sehen koennen, aber der hat sich in einer Senke versteckt.

Hantanas
Angela ist auch aus Deutschland und ich kenne sie schon seit meinem ersten Tag auf dem Weg und ich treffe sie hier bei einem Kaffee. Wir gehen gemeinsam weiter vorbei an einem Kloster.

Castrojeriz
Im naechsten Ort ist Schluss fuer heut und ich habe noch genug Zeit diese Seite bis hierhin zu vervollstaendigen. Bei dieser Gelegenheit moechte ich Euch allen fuer Eure Wuensche und Gruesse danken, die mich sehr gefreut haben.

Insgesammt 15 km.

26. 08. 2010

Ich starte heute wieder sehr frueh. Die Nacht war unruhig, da ich in einer riesigen Herberge uebernachtet habe und dort viel gewusel herrscht. Die lehre graue Stadt passt ein bisschen zu meiner leicht bedrueckten Stimmung, da ja viel Abschied gewesen ist, aber der Weg wird mich schnell wieder auf andere Gedanken bringen. Ich entdecke die Universitaet von Burgos. Da kann man schon mal neidisch werden.

Beschliesse mich mal mehr an guten Beschreibungen von Herbergen des Reisefuehrers zu orientieren. Ich werde diesen ab sofort nur noch Reif nennen. Reif empfiehlt eine kleine Bude, welche mir heute langen Weg beschehrt. Unterwegs durchqueere ich kleinere Doerfer.

Mal wieder ein Musikhinweis: erstaunlicher Weise machen sich auch die Monsters of Liedermaching sehr gut und auch sehr grossartig ist die erste Scheibe von Juli - Es ist Juli, und das im August. Die ersten 300 km sind nun ueberwunden. Ich habe auf meinem Weg erfahren, dass man den gesammten Weg von 900 km bis zum Kap Finestera in drei Teile teilt. Der erste fuehr den Koerper, der zweite fuehr den Geist und der dritte fuehr die Seele. Bin fast ein bisschen betruebt, dass ich vom Seelenstueck wohl nur 200 km laufen werden. Jetzt beginnt aber erst mal der zweite Teil und ich betrete die Meseta. Das ist vom spanischen Tisch, also Mesa, abgeleitet und soll wohl an den Blick auf einer Tichplatte angeleht sein.

San Bol
Ich erreiche eine sehr hinreissende kleine Herberge mitten im Nichts.

Nach der Stadt bekomme ich nun Entspannung pur.

Ich treffe dort auch ein junges Paerchen aus Deutschland wieder. Es sind insgesammt fuenf Personen in der Herberge. Der Strom wird um 19:00 Uhr abgestellt. Eine himmlische Ruhe und so schlafe ich dieser Nacht wie ein Baby bis 8:00 Uhr. Verdient!

Insgesammt 27 km.

25. 08. 2010

Der Tag beginnt mit wunderbarem Kaffee und Kuchen, gefolgt von einem Berg. Es liegt noch reichlich Weg vor mir, aber Burgos ist schon von weitem zu sehen.

Es ist tatsaechlich erstaunlich, dass mein Spanisch nun doch zunehmend besser wird. Es gelingt mir immer wieder kleinere Dialoge zu fuehren und mich auch mit den Eingeborenen zu verstaendigen. Das fuehrt heute zu einem grossartigen zweiten Fruehstueck, weil ich mir einen Ort zeigen lassen konnte, wo es ein solches gibt.

Burgos
Nun gibt es eine richtige Grosstadt, also zum Mindest im Vergleich mit dem Bisherigem. Obwohl ich schon mal in Burgos war, kommt es mir leider ueberhaupt nicht bekannt vor. Gluecklicher Weise erkenne ich wenigstens die Kathedrale wieder. Ich empfinde diese Stadt auch als enorm belebt und nicht zu letzt sehr teuer und wollte mich schon ein bisschen aergern, hier geblieben zu sein. Dann aber treffe ich hier doch noch mal fast alle Weggefaehrten, die ich bisher getroffen habe, was ziemlich gut ist, da doch viele von denen ihren Weg hier beenden und so doch nochmal gute Wuensche und so ausgetauscht werden koennen. Dadurch erhaelt das Ganze natuerlich auch einen leicht bitteren Beigeschmack.

Insgesammt 24 km.

24. 08. 2010

Trotz der Verarztung mit dem Compeed fuehlt es sich heut so an als haette ich kleine Hasen im Schuh, die an meinen kleinen Zehen knabbern. Menno, also irgendwas ist aber auch dauernd. Ist das eine weg, kommt das naechste. Tja, da muss man wohl durch. Es ist heute eigentlich ein sehr schoener Weg und es ist bedeckt. Durch die kleinen Hasen ist es aber dennoch anstrengend fuer mich. Die Ortschaften auf dem Weg machen im allgemeinen keinen einladenden Eindruck, also gehe ich weiter. Langsam, aber ich muss ja auch nicht rennen.

Momo gesellt sich wieder zu mir. Sie hat Probleme mit dem Knie und kann also auch nicht so schnell. Super, so haben wir wenigstens Gesellschafft. Es ist sehr interessant, sich mit ihr zu unterhalten, da unsere Kulturen doch sehr unterschiedlich sind und ich lerne sogar ein paar Worte auf koreanisch.

Heute ist wieder mal ein Berg dran. Auf dessen Gipfel gibt es ein Kloster und ein Kaffee. Ich entscheide mich fuer Zweiteres und das gibt ein mehr als verdiente Pause. Hier kommt es zu einem Wiedersehen mit lauter Bekannten des Weges. Beispielsweise eine franzoesische Familie, die ich oeffter schon getroffen habe. Ullrich und Angela, die ich bei meiner letzten Zwangspause naeher kenengelernt habe kommen auch hier vorbei. Es herrscht allgemeine Freude.

Jetzt sind es nur noch knapp 4 km bis der Zielort des Tages in Sicht ist.

Ages
Erstaunlicher Weise sind meine Zehen nun besser und schmerzen so gut wie garnicht mehr, dafuer ist der Ort im allgemeinen ziemlich teuer.

Hoehenunterschied ist mal wieder nennenswert: 300m hoch und 100 runter.
Insgesammt 22 km.

23. 08. 2010

Der naechste Tag beginnt wieder mit tollem Sonnenaufgang und besten Ausblicken.

Obwohl wir alle einzeln gestartet sind, findet sich schon nach kurzer Zeit, wie angekuendigt ein kleiner Gemeinschafftstrupp zusammen. Wir werden eine Weile gemeinsam heute gehen. Es handelt sich um die Italiener Lydia, Katja und Roberto, den Spanier Adolfo, die Koreanerin Momo und ich natuerlich als die deutsche Vertretung.

Es macht irgendwie Spass nach der Zeit auch mal in einer groesseren Truppe zu Laufen. Wir verbringen mehrere Stunden. Am Ende sind die Italiener und Adolfo aber doch schneller und so bleiben Momo und ich zurueck.

Villiambistia
Am Ende des Tages stossen wir auf eine kleine Herberge mit einer etwas stoerrischen Herbergsmutti, aber es ist sehr ruhig da, was auch mal sehr schoen ist. Durch die offenen Schuhe hatten sich an meinen kleinen Zehen neue Blasen gebildet, die diesen Tag ueber auch nicht besser geworden sind. Erst jetzt komme ich auf die Idee, einfach ein grosses Compeed-Blassenpflaster draufzutun, denn das kleine hatte nicht gehalten. Besser spaet als nie.

Insgesammt 23 km.

22. 08. 2010

Fuer meine Musikmaschine ist es meist viel zu warm, aber morgens sind die Temperaturen noch gut. Gut passt zum Laufen fuer mich Musik von Archive und bisher am Besten, auch von Stimmung und Text her war das grosse Leben von Rosenstolz.

Ciruena
Hier entdecke ich eine kleine geile Sache zum Essen, Tortilla. Es sieht wie Apfelkuchen aus. Waehrend sich der Apfel als Kartoffel entpuppt, ist der Teig sowas wie Ei mit Mehl angedickt. Das ist auch sehr lecker und nahrhaft, quasi genau das richtige fuer meinen Weg.

Santo Domingo de la Calzada
Noch eine kleine Schweinerei zum Essen gefunden, einen aeusserst fettigen Spies mit Paprika, Pilz und Brot. Dabei und auch sonst den Tag ueber laufen mir die besagten Italiener ueber den Weg.

Ich probiere jetzt mal eine neue Technik beim Laufen. Die Geschwindigkeit wird gedrosselt, wobei man dann natuerlich laenger in der Sonne ist. Es wird sich herausstellen, dass die beruhigte Geschwindigkeit die bessere Alternative ist fuer mich. Spaeter ist mein naechster Zielort zu sehen.

Granon
Endlich treffe ich mal auf eine sehr stilechte Herberge. Es ist eine, wenn auch ganz gut ausgebaute, Kirche. Es laeuten soger die Glocken und der Glockenturm ist begehbar bis nach oben.

Es ist auch die erste Herberge, die auf Spendenbasis laeuft. Momo aus Korea habe ich gestern zwar schon einmal kurz gesprochen, aber heute habe ich mehr Gelegenheit mich mit ihr zu unterhalten, was die naechsten Tage noch mehr werden wird. Sie bildet die naechste Teilnehmerin fuer den morgigen Trupp.

Insgesammt 23 km.

21. 08. 2010

Muss auch am naechsten Morgen feststellen, dass ich mir wohl ein bisl zu viel zugemutet habe. Obwohl ich gestern einkaufen war, habe ich nicht an Fruehstueck gedacht. Einige mich mit mir, dass 33 km mein Limit ist. Ich werde auf keinen Fall weiter laufen als das. Hab mir gestern die unteren Waden entgueltig wundgerieben, weshalb ich mit halboffenen Schuhen laufen muss, was mir neue wundervolle Blasen bescheren wird. Ich finde noch im Dorf einen Automaten. Lecker Kekse zum Fruehstueck. Der morgentliche Blick ist, wie ueblich toll.

Die Pilger hinterlassen immer wieder kleine Zeichen am Wegrand. Mitunter erwaechst daraus schon mal ein richtiges Kleinod.

Das letzte Stueck ist in etwas so, wie ich mir den Weg vorgestellt habe und auch der Blick zu den Seiten ist toll.

An dieser Stelle moechte ich einwerfen, dass es zwei Dinge gibt, die ich hasse. Eins sind fiese Kieselstein Wege. Und das andere sind Berge. Berge sind toll, wenn man sie von weitem sieht. Schlimm sind die, wo man rauf muss und noch schlimmer wieder runter. Und ich meine jetzt nicht unbedingt richtige Berge. Ich hasse auch Huegel, aber am allermeisten hasse ich Kieselsteinwege auf Bergen. Pfui!

Azofra
An den Waden hab ich jetzt Sonnenbrand, super, also morgen mit langen Hosen. Da freu ich mich aber. Ich teile mir ein Zimmer mit Adolfo, der ein naechster Kanditat fuer die kleine Truppe. Ich hab ein paar Kreislaufproblem, aber Salat hilft. Salat scheint sowieso ein super Loesung. Nach meinen neusesten Berechnungen sollten es noch 599 km bis nach Santiago sein, also hab schon ueber 200 km geschafft. Hammer!

Insgesammt 23 km.

20. 08. 2010

Heute gibt es endlich mal gutes Fruehstueck. Kaffee und Salat von gestern. Als ich starte treffe ich eine kleine Truppe Italiener. Sie sind die ersten Vorboten eines kurzen gemeinsamen Laufens in einer kleinen Gruppe. Das weiss ich jetzt natuerlich noch nicht. Aber schon am heutigen Tag ist klar zu bemerken, dass ich und sie ungefaehr das gleiche Tempo laufen, da wir uns staendig ueber den Weg laufen. Ansonsten bin ich natuerlich super fit und das Laufen geht grossartig. Als ich dann Logrono sehe, bekomme ich doch ein bisschen Angst, denn es ist die naechste grosse Stadt.

Logrono
Am Eingang erhalte ich einen Stadtplan und Informationen. Ich leiste mir ein neues Regencape und lasse mein zwischenzeitlich mal gesperrtes Handy wieder freischalten. Das laeuft alles unerwartet gut. Auch Zeit zum Entspannen habe ich noch.

Es ist noch recht frueh und so gehe ich noch eine Station weiter. Diese ist allerdings noch ziemlich weit. Die letzten 5 km sind dann auch in der Sonne ziemlich beschwerlich.

Navarette
Ich treffe erstmalich mal jemand vom Anfang wieder. Es handelt sich um eine Amerikanerin, die genauso fertig aussieht wie ich. Sie beschreibt diesen Zustand aeusserst passend: my body hates mi. So ungefaehr fuehle ich mich auch. Ich bin noch nie in meinem Leben soweit gelaufen. Ich fuehle mich nicht nur koerperlich erledigt. Auch das Denken funktioniert nur noch auf halber Kraft. Brain Over!

Insgesammt 33 km.

19. 08. 2010

Die Fuese schmerzen. Nachdem wieder Party war, merke ich, dass ich auch sehr muede bin. Man soll ja auf dem Weg auf seinen Koerper hoeren. Wenn ich das immer machen wuerde, dann kaeme ich wohl nicht so gut vorran. Ich versuche die Balance zu halten, mal der Koerper, mal der Geist. Am linken Fuss die Blasen sehen nicht besonders gut aus, also ist heut eindeutig der Koerper dran. Es ist Faultag. Ab ins naechste Dorf, ganz langsam und dann Fuesse hoch.

Torres del Rio
Eigentlich wollt ich dass erst morgen machen, aber so hab wieder eine kleine nette Herberge gefunden, Zeit diese Zeilen zu schreiben, auszuruhen und meine Fuesse zu verarzten.

Insgesammt 8 km.

18. 08. 2010

Trotz der Blasen und der schmerzenden Beine, gab es wieder einen guten Start. Der Rucksack ist auch viel leichter, so dass ich gut vorrankomme. In Estellios merke ich, dass mein Koerper was anderes essen will. Verwerfe den Frucht und Gemueseplan. Es gibt Bagette und Kaese zum Fruehstueck und das ist lecker ohne Ende. Beschliesse heute Abend zu kochen

In Villamayor de Monjardin gibt es neben einer Wasserquelle auch eine Weinquelle. Wer macht den sowas? Das letzte Stueck ist wieder unglaublich anstrengend, wie gestern. Ich freue mich ueber jedes schattige Wegstueck.

Der Weg zieht sich.

Ich treffe zwei Koreanerinnen, die sogar einen koreanischen Reisefuehrer fuer den Weg haben. Bin beeindruckt. Noch mehr beeindrucken mich blinder Wanderer. Diese haben immer einen persoenlichen Fuehrer dabei und sind deutlich schneller als ich, obwohl es nicht grad eine einfache Strecke ist. Da muss man ja aufpassen, das man sich nicht minderwertig vorkommt.

Los Arcos
Im Dorf findet heute eine grosse Sause mit Stierlauf statt. Die Strassen sind voll mit Menschen. Ich komm grad garnich klar. Brauche dringend eine Apotheke fuer Pflaster und einen Laden. Die Apotheke hat natuerlich zu, aber der Laden ist geoeffnet. So gibt es heute lecker Nudeln mit Tomatensosse, yammi. Meine Fuesse sind lediert. Am kleinen linken Zeh habe ich eine ueble Blase. Die Herberge ist voll, nein! Yippi, ich hab ein Zelt bei und darf im Garten zelten.

Insgesammt 27 km.

17. 08. 2010

Der naechste Morgen beglueckt mich gleich mit super Aussicht.

Muss einen Pass ueberqueren, was eine noch krassere Aussicht bringt.

In Puente la Reine vereint sich mein Weg, der Franzoesiche, mit dem Arragonischem. Ab hier wird es ziemlich hart. Sonne, Sonne Sonne!

Ich steuer auf ein rundes Dorf zu und bin zum ersten Mal heut richtig erledigt.

Danach wird es nicht besser. Sonne, Sonne, Sonne! Ab und zu verspuere ich den Drang, mich in eine ecke zu setzen und zu weinen. Endlich in Lorca komme ich an einen Brunnen. Welch eine Freude es ist, einfach nur Wasser ueber meinen Kopf laufen zu lassen. Den Rest des Weges, ueberlege ich, was ich nicht mehr brauche und heute noch entsorgen koennte.

Villatuerte
Der Weg wird mit einer unglaublich freundlichen Herberge belohnt. Man bereitet mir ein Fussbad mit Salz und Wein, also beides im Wasser. Das soll gegen die Blasen helfen, von denen ich 5 Stueck habe. Danach entsorge ich: - Cordjacke
- 1 T-Shirt
- Kissen
- Guertel
- Herbergenverzeichniss
- 1 paar Socken
- Rucksackregenschutz
Das sind gute 2 kg, die ich morgen nicht mehr tragen brauch. Leider ist in dem Dorf Partz, was das Schlafen sehr erschwert.

Heute ging es 200 m hoch, 400 m runter und nochmal 100 m hoch. Insgesammt 31 km.

16. 08. 2010

Trotz meiner gestern Abend doch schmerzenden Beine, geht es mir heut wieder gut. Meine linke Schulter ist auch wieder soweit okey. Somit habe ich einen guten Start in den Tag. Jetzt sind die Wege auch mehr, wie ich mir das vorgestellt habe, entweder klein und gruen oder langgezogen.

Endlich ist auch Sonnenschein, yippi! waerend des Weges beschliesse ich den Versuch, nur Fruechte und Gemuese zu essen. Das wird sich aber nicht lange durchhalten lassen, wie sich zeigen wird.

Pamplona
Das ist die Stadt, wo der beruehmte Stierlauf stattfindet. Ich bin wieder etwas ueberfordert und dankbar fuer die vielen kleinen gelben Pfeile, die mir den Weg weisen. Die letzten Kilometer gehen noch oben und in der prallen Sonne. ich erreiche ein Doerfchen mit wundervollem Namen.

Zaraquiegui
Zur Abwechslung schlafe ich mal sehr gut in einer sehr kleinen Herberge. Habe heut ein Schild gesehen, dass sagte, es seien noch 709 km bis Santiago. Aber nach meinen Berechnungen sind es noch 722 km.

Pamplona
Insgesammt 27 km.

15. 08. 2010

Morgens werden wir hart geweckt, als um 6:00 Uhr die Deckenfluter angehen. Leider gibt es in Roncesvalles keine Einkaufsmoeglichkeiten, weshalb ich ohne Fruehstueck los muss. Es ist noch dunkel und mit Taschenlampen bewegt sich ein kleiner Trupp durch den Wald. Leider hab ich mich in meinem Reisefuehrer verlesen, denn im naechsten Ort gibt es keinen Laden. erst nach 11 km bekomme ich endlich Fruehstueck. Das schmeckt natuerlich ausgezeichnet. Nachdem es wieder eine Weile geregnet hat geht es munter weiter immer wieder durch kleine, typisch spanische Doerfer.

Nun beginnt ein steiler und sehr beschwerlicher Abstieg. Unten angekommen das Dorf Zubiri und ich bin platt und brauche eine Kaffepause. Der Kaffe ist leider nicht so lecker, wie erhofft. Das letzte Stueck gehe ich gemeinesam mit einem Fotographen aus England. Er ist der erste, den ich treffe, der den Weg geht, weil sein Leben grad im Umbruch ist.

Larrasona
Ich taetige miene erste Handwaesche und bin ueberrascht, dass das doch ganz gut geht. Danach brauch ich ein Nickerchen. Am Abend lerne ich eine handvoll netter Menschen kennen.

Heute ging 600 m runter, Insgesammt 28 km.

14. 08. 2010

Im Gegensatz zum Abendmahl ist das Fruehstueck echt witzig. Ich hatte gedacht, dass waer erst in Spanien so, aber nein. Trockenes Weissbrot und Marmelade, nun ja. Dafuer gibt es gleich hinter der ersten Biegung atemberaubende Aussicht.

Etwas spaeter sehe ich eine dicke Wolke auf dem Huegel sitzen, wo ich lang muss. Es beginnt zu regnen und die Sicht geht gegen 20 m. Das erzeugt eine etwas unheimliche Atmossphere, aber es ist auch irgendwie beeindruckend. Irgenwo im Nebel sind immer wieder Glocken zu hoeren.

Als ich Spanien erreiche regnet es nicht mehr. Nun geht es mitunter steil bergab. Bei meiner letzten Rast, kommt wieder eine dicke Wolke und nun regnet es auch wieder. Nach einer Weile stelle ich fest, dass mein Regencape langsam durchsuppt, was nicht sehr angenehm ist. Nun muss ich dass letzte Stueck auch noch an einer befahrenen Strasse zuruecklegen.

Roncesvalles
Ich bin sehr erledigt und sehr genervt. Es ist noch frueh am Tage und ich stelle zum ersten mal fest, dass nicht die Zeit das Problem darstellen wird um zuegich voranzukommen, sonder es ist eher meine Verfassung. Das werde ich noch oefter feststellen muessen. In Roncesvalles gibt es aber eine interessante Schlafmoeglichkeit. Hier sind in einem mittelalterlichen Gebaeude ueber 200 Betten aufgebaut. Dadurch dass der Raum so hoch ist, ist es Nachts erstaunlich ruhig. Sogar die Schnarcher koennen mich nicht stoeren.

Heute ging es 600 m hoch und 400 runter. Insgesammt 19 km.

13. 08. 2010

Bayonne
Meine linke Schulter schmerzt tierisch. Hatte mich die Nacht davor verlegen und es ist deutlich schlimmer geworden. Kann kaum meine Trinkflasche zum Mund heben.

Saint-Jean-Pied-de-Port
Es ist nicht so ein verschlafenes Nest, wie ich erwartet habe. Es herrscht wirres Treiben. Habe Schmerzen. Bin genervt. Ich schaue noch kurz in der Apotheke vorbei und kaufe eine Salbe fuer die Schulter. Damit wird es ertraeglich. Nun beginnt hier mein Weg. Der Blick in die Berge ist etwas bedrohlich, abber was solls.

Ich entscheide mich trotzdem fuer den Napolionischen Weg, der ueber die Berge fuehrt. Das Wetter wird zunehmend schoener und nach langem Aufstieg werde ich mit toller Sicht belohnt.

Orission
Das ist eigentlich kein Ort, sondern nur eine Herbergen. Nach 9 km und wieder sehr schmerzender Schulter beschliesse ich zu bleiben. Das naechste Stueck geht 19 km und soll eines der Schwersten sein. So will ich dann doch Vorsicht walten lassen. Die Herberge ist nur mit Halbpension und dadurch ziemlich teuer. Dafuer ist das Abendmahl ueppig, obwohl das eigentlich nicht in meinem Interesse ist. Ich will auf diesem Weg auf meine Ernaehrung achten und versuchen mich leicht zu ernaehren und mich und meinen Koerper in Einklang zu bringen.

Bis hierhin ging es 600 m nach oben. Ingesammt 9 km.

12. 08. 2010

Es dauert mit unter eine ganze Weile bis aus einer Idee eine Tatsache wird. Als ich das erste Mal daran dachte mich auf den Jakobsweg zu begeben, habe ich diesen Gedanken zunächst als unrealisierbar verworfen, aber dieses Unterfangen lies mich nicht mehr los und so begann ich zu recherchieren und alles in die richtige Richtung zu lenken. Nachdem nun einige Zeit ins Land gegangen ist und jede Menge Vorbereitungen getroffen worden sind, ist endlich der Tag gekommen und ich mache mich auf den Weg. Ein bisschen mulmig ist mir schon, aber im Großen und Ganzen bin ich gut gelaunt und voller Vorfreude.

Paris
Ich komme in Paris an und habe schon hier den ersten Kontakt zu einem Begleiter. Er muss auch in meine Richtung und zeigt mir den Weg. Er scheint ein Welltenbummler zu sein und die halbe Welt zu bereisen. Er will mich zum Schwarzfahren mit dem Nahverkehr ueberreden, weil sowieso nicht kontrolliert wird, was ich aber ablehe. Gut so. Um aus dem Bahnhof rauszukommen, brauche ich eine Karte. Dann habe ich viel Zeit und suche etwas zu essen. Komme in eine kleine Baeckerei, wo grade frische Bagettes reingetragen werden. Jetzt noch ein kleines Stueck Kaese besorgen und ich hab das erste richtig geile Essen. Yammi. Dannach in den Nachtzug. Schlummer sofort ein bisschen weg, wache aber so 45 Minuten nach dem Abfahrttermin nochmal auf. Bin erstaunt, dass der Zug so ruhig faehrt, bis er dann losfaehrt.

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